Geschichtsspur

Das „Alte Amtsgericht“ (Oberer Markt 3)

Quelle: Sammlung Joachim Pilz

Bis zum großen Stadtbrand 1840 standen hier der "Goldene Löwe" und ein Wohnhaus. Das alte Rathaus war an der Nordseite des Oberen Marktes. 1843 wurde der Grundstein für ein neues Rathaus gelegt, 1845 eröffnete der "Rathskeller" im Erdgeschoss, ab 1846 bezog die Stadtverwaltung den 1. und 2. Stock.

Das Königreich Sachsen erwarb das Gebäude 1851 für sein Gericht. 1856-1874 beherbergt es das für die Stadt und die Umlandgemeinden zuständige Gerichtsamt, 1879 in "Königliches Amtsgericht zu Markneukirchen" umbenannt.

Nach Fertigstellung des Neuen Amtsgerichts (Johann-Sebastian-Bach-Str. 13) wird das Gebäude wie folgt genutzt:

  •    1905-1935: Gewerbemuseum im 1. Stock (27. Juni 1906 Besuch von König Friedrich August III.)
  •    1908-1935: Zollamt im Erdgeschoss
  •    1935-1945: Parteileitung der NSDAP im I. Stock, nach 1946: SED-Ortsleitung
  •    1954-1974: Volkspolizei im Erdgeschoss

1958 beginnt die Nutzung durch Einrichtungen des Gesundheitswesens (Gemeindeschwesternstation etc.), daraus entsteht 1980-1990 die Poliklinik Markneukirchen, 1991-2014 gefolgt vom Ärztehaus 1991-2014.

  • Blick vom Kirchturm nach Osten um 1920

  • Der sächsische Kronprinz Georg besucht 1912 das "Städtische Gewerbemuseum Markneukirchen" im Alten Amtsgericht.

  • Quelle: Sammlung Joachim Pilz

  • Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1870-1871

Wohn- und Geschäftshaus Markt 8

  • Verkaufsraum der Fa. Heymann um 1928

    (Foto: Sammlung Werner Pöllmann)

  • Verkaufsraum der ehem. Firma "Heymann" 1936 (Repro: Heimatverein Markneukirchen)

Das Wohn- und Geschäftshaus am Unteren Markt 8 wurde nach dem 1840er Stadtbrand von Schuhmachermeister Karl Gottlob Braun erbaut. Hier befand sich das erste Geschäft von Nathan Brandt, der sich 1880 als erster Jude in Markneukirchen niedergelassen hatte und 1885 das Bürgerrecht erhielt.

  • 1880-86 Bekleidungsgeschäft „N. Brandt“: Nathan Brandt (*1856 in Schlawa/Schlesien) und seine Schwester Lina (*1849, siehe Tafel am Haus Markt 18) haben sich 1880 als erste Juden in Markneukirchen niedergelassen.
  • 14.8.1886: Lina Brandt heiratete in Leipzig Gustav Bick (*1858 in Grätz/Posen). Nathan Brandt überließ den Laden, der nun „N. Brandts Nachf.“ hieß, seinem Schwager.
  • 1894 war das Geschäft in diesem Haus nachweisbar (könnte aber schon ab 1880 bzw. 1886 hier ansässig gewesen sein).
  • 24.8.1895: Gustav Bick übersiedelte mit Ehefrau Lina nach Pirna.
  • 18.8.1895: „N. Brandts Nachf.“ übernahm Heinrich Sittner (*1856 in Beuthen/Oberschlesien), ein Verwandter von Nathan Brandt
  • Nach 1896: „N. Brandts Nachf.“ firmierte nun unter „H. Sittner“, da im Februar 1890 das 1887 eröffnete Geschäft „H. Neustadt Nachf.“ in „N. Brandt“ (seit 1900 am Markt 18) umbenannt worden war.
  • 1895-1907: Walter Lous (*1887 in Kamenz), Fritz Jacob (*1889 in Kamenz) und Erna Sittner (Ü1893 in Treuen) besuchten hier die Volksschule
  • 1904: Ladenmodernisierung incl. Einbau großer Schaufenster durch Hausbesitzer Bäckermeister Karl August Braun (1897 schon Rentier)
  • 10.8.1911: Fritz Jacob Sittner starb in diesem Haus an Tuberkulose und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Plauen begraben.
  • 31.03.1916: Heinrich Sittner schloss sein Geschäft und übersiedelte mit Ehefrau Bertha nach Glogau in Schlesien, wo er 1935 starb. Seine Frau starb 1942 in Theresienstadt und die Tochter 1943 in Auschwitz.
  • 1920er Jahre: Buch-, Papier- und Schreibwarenhandlung von Ernst Schubert
  • 1927: erneuter Ladenumbau durch Karl August Brauns Erben
  • 14.12.1927: Eröffnung des Bekleidungshauses von Adolf Heymann (1904/37 in Oelsnitz ansässig, 1941 in Kaunas ermordet), 1929-36: auch Laden in Adorf
  • 1931: „Kaufhaus“ Heymann vertrieb an 13 Verkaufstheken Bekleidung, Stoffe, Schmuck, Schuhe, Elektroartikel, Haushaltswaren, Genuss- und Lebensmittel.
  • 1.4.1933: Boykott mit SA-Posten vor dem Laden „Kauft nicht bei Juden!“
  • Dez. 1935: Heymanns „Kaufhaus“ übernahm im Zuge der „Arisierung“ sein ehemaliger Lehrling Georg Groß. Erweiterung des Sortiments um Büro- und Schulbedarf
  • 1952-90: Textilverkaufsstelle der Konsum-Genossenschaft des Kreises Klingenthal e.G.
  • 1991-2011: NKD-Markt
  • seit Ende 2011: Bäckereifiliale, Café und Konditorei Seifert

Ev.-Luth. Stadtkirche St. Nicolai

  • Ansichtskarte Markt mit Blick zur Kirche 1914 (Sammlung Dr. Enrico Weller)

  • Rekonstruktion einer Ansicht der Markneukirchener Kirche mit ihrem freistehenden Glockenturm durch den Maler Reinhard Schubert (nach historischen Bildquellen des 17. Jahrhunderts)

In der ersten urkundlichen Erwähnung Markneukirchens wird von „Newenkirchen“ berichtet. Die Kirche wird namensgebend für den bis dahin „Nothaft“ genannten Ort. Die demnach sehr früh errichtete Kirche wurde dem heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Kinder und Händler, geweiht.
Nach dem Brand („Kroatenbrand“) 1633 entstand eine neue Kirche, ein lt. Chronist Crasselt „unansehnlicher Fachwerkbau mit eigentümlicher Gestalt und daneben stehendem Kirchturm“.

  • 1840 Am 23. April ging diese im großen Stadtbrand in Flammen auf.
  • 1842 Grundsteinlegung des heutigen Kirchgebäudes unter dem Architekten Hermann
  • 1848 Weihe des bereits 1846 fertiggestellten Baus im klassizistisch neuromanischen Stil
  • 1856 Der Plauener Maler Gustav Heubner schuf das Altarbild „Heiliges Abendmahl“.
  • 1891 Einbau von Buntglasfenstern mit Motiven aus dem Leben Jesu
  • 1982/83 Umfangreiche Renovierungen im Innenbereich
  • "Mittwochsdemos" 1989

  • Pfarrer Johannes Sembdner

  • Bereits am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik, kam es zu Demonstrationen auf dem Marktplatz vor der Kirche.
  • Ab den frühen Oktobertagen 1989 war die St. Nikolaikirche Zielpunkt der Markneukirchener „Mittwochdemos“. Der damalige Pfarrer Johannes Sembdner öffnete trotz massiver Androhungen seitens des Rates des Kreises die Kirchentore und trug somit maßgeblich dazu bei, dass es auch in Markneukirchen eine Revolution der Kerzen und Gebete wurde.
  • 1997/98 Erneuerung der Außenfassade
  • 2013 erhielt die Kirche drei neue Bronzeglocken. Seitdem kann das bisherige Vierergeläut wieder erklingen. Inschrift der Glocken: „Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit“

Besonderheiten:

  • Der Altar befindet sich unüblicherweise an der Westseite des Kirchenschiffes. Der Kirchturm ist 56 m hoch, auf 36 m befindet sich ein Rundgang. Die Türmerwohnung war bis 1926 bewohnt. Bis dorthin waren 152 Stufen zu bezwingen.
  • Die Kirche beherbergt die größte, fast vollständig erhaltene Orgel des Meisters Johann Friedrich Schulze (1793-1858) aus Paulinzella/Thür.

Download: Faltblatt mit weiteren Informationen zur Kirche (PDF)