Verbraucherrechte bei Reisemängeln

Inhalte aus AMT24

Nicht immer erhält die oder der Reisende Leistungen, die den Anforderungen in der Reisebestätigung und der Beschreibung im Katalog der Reiseveranstalterin / des Reiseveranstalters entsprechen. Wird der oder dem Reisenden zum Beispiel statt des gebuchten Balkonzimmers mit Meerblick lediglich eine auf den Hinterhof gerichtete Unterkunft zugewiesen oder kann die oder der Reisende wegen Überbuchung gar nicht in das im Reisevertrag festgelegte Hotel oder ein Hotel gleicher Kategorie und Lage einziehen, so liegt ein Reisemangel vor.

Wenn Sie Reisemängel feststellen, so haben Sie laut Gesetz folgende Möglichkeiten:

  • Abhilfe
  • Vorzeitige Kündigung des Reisevertrages
  • Minderung des Reisepreises
  • Schadensersatz
  • Aufwendungsersatz
  • Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit

Abhilfe

Sie können von Ihrer Reiseveranstalterin / Ihrem Reiseveranstalter Abhilfe, etwa die Beschaffung eines gleichwertigen Hotels, verlangen. Sie fordern, dass der Mangel beseitigt wird und setzen der Veranstalterin / dem Veranstalter eine angemessene Frist.

Ihre Ansprechpartnerin / Ihr Ansprechpartner am Urlaubsort ist die örtliche Agentur der Reiseveranstalterin / des Reiseveranstalters und – wenn eine solche nicht vorhanden ist – die Reiseleitung. Wenn die Reiseveranstalterin / der Reiseveranstalter der Aufforderung zur Mängelbeseitigung nicht innerhalb der Frist nachkommt, können Sie selbst Abhilfe schaffen. Die dadurch entstehenden Kosten muss Ihnen die Reiseveranstalterin / der Reiseveranstalter erstatten.

Die Reiseveranstalterin / der Reiseveranstalter kann die Abhilfe verweigern, wenn sie einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordert. Auch unverhältnismäßige Mehrkosten der Selbstabhilfe muss die Reiseveranstalterin / der Reiseveranstalter nicht erstatten.

Vorzeitige Kündigung des Reisevertrages

Bei besonders schweren Reisemängeln, die die Reise erheblich beeinträchtigen, können Sie den Reisevertrag kündigen und damit den Urlaub vorzeitig abbrechen.

Dieses Kündigungsrecht setzt – neben dem Vorliegen eines besonders schwerwiegenden Reisemangels – voraus, dass Sie der Veranstalterin / dem Veranstalter eine angemessene Frist zur Beseitigung des Mangels gesetzt haben und dass diese Frist erfolglos abgelaufen ist.

Lediglich wenn Abhilfe unmöglich ist oder von der Reiseveranstalterin / vom Reiserveranstalter verweigert wird oder wenn die sofortige Kündigung des Vertrages durch ein besonderes Interesse Ihrerseits gerechtfertigt wird, bedarf es einer solchen Fristsetzung nicht.

Entschädigung für erbrachte Leistungen

Bei vorzeitiger Kündigung des Reisevertrages behält die Reiseveranstalterin / der Reiseveranstalter hinsichtlich der bereits erbrachten und zur Beendigung der Reise noch erforderlichen Reiseleistungen den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis, soweit diese Leistungen überhaupt einen Wert für Sie haben. Hinsichtlich der nicht mehr zu erbringenden Reiseleistungen entfällt der Anspruch der Reiseveranstalterin / des Reiseveranstalters auf den Reisepreis.

Trotz Kündigung ist die Reiseveranstalterin / der Reiseveranstalter verpflichtet, Sie vom Urlaubsort zurückzubefördern, wobei ihm eventuelle Mehrkosten zur Last fallen. Das hierfür eingesetzte Verkehrsmittel muss dem im Vertrag vereinbarten gleichwertig sein.

Minderung des Reisepreises

Solange ein Reisemangel besteht, tritt eine Minderung des Reisepreises ein. Sie können eine Erstattung des Teils des Reisepreises verlangen, den die Urlaubsreise aufgrund des Mangels weniger wert ist.

Achtung! Wichtige Voraussetzung für eine Minderung des Reisepreises ist, dass Sie der Reiseveranstalterin / dem Reiseveranstalter einen aufgetretenen Mangel angezeigt haben. Handeln Sie also ohne Verzug und treten Sie mit Ihren Beanstandungen sofort an die Reiseveranstalterin / den Reisveranstalter heran.

Schadensersatz und Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit

Trifft die Reiseveranstalterin / den Reiseveranstalter ein Verschulden an dem Reisemangel, so haftet sie beziehungsweise er auch auf Schadensersatz. Dabei hat die Veranstalterin / der Veranstalter auch für ein Verschulden ihrer / seiner Leistungsträger, zum Beispiel Flug- oder Hotelunternehmen, einzustehen. Das Verschulden der Reiseveranstalterin / des Reisveranstalter wird grundsätzlich vermutet. Eine Widerlegung dieser Vermutung ist der Reiseveranstalterin / dem Reiseveranstalter nur in bestimmten Fällen gestattet. Sie oder er kann sich nur entlasten

  • wenn der Reisemangel von der oder dem Reisenden selbst verschuldet ist,
  • wenn der Reisemangel von einer gänzlich dritten Person (die weder Leistungserbringer noch sonst an der Erbringung der Reiseleistung beteiligt ist) verschuldet ist, was für die Reiseveranstalterin / den Reiseveranstalter weder vorhersehbar noch vermeidbar war, oder
  • wenn der Reisemangel durch unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände verursacht wurde.

Damit trifft die Reiseveranstalterin / den Reiseveranstalter faktisch eine Garantiehaftung für Reisemängel.

Als betroffene Person können Sie insbesondere Ersatz für Schäden an Ihrer Gesundheit oder an Ihrem Eigentum verlangen. Wird die Reise vereitelt oder erheblich beeinträchtigt, so haben Sie auch einen Anspruch auf Entschädigung wegen der nutzlos aufgewendeten Urlaubszeit.

Die Reiseveranstalterin / der Reiseveranstalter kann im Vertrag ihre beziehungsweise seine Schadensersatzhaftung auf den dreifachen Reisepreis beschränken. Dies gilt allerdings nur für solche Schäden, die keine Körperschäden sind und nicht schuldhaft, das heißt vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt werden.

Aufwendungsersatz

Anstelle von Schadensersatz können Sie - unter den gleichen Voraussetzungen - als reisende Person auch Ersatz vergeblicher Aufwendungen verlangen.

Beweise sichern!

  • In allen geschilderten Fällen gilt: Sie müssen beweisen, dass Reisemängel vorlagen und welchen Umfang sie hatten, zum Beispiel durch Fotos oder durch Zeugenaussagen von Mitreisenden.
  • Sie sollten beweisen können, dass Sie der Reiseveranstalterin / dem Reiseveranstalter am Urlaubsort (örtliche Agentur der Veranstalterin / des Veranstalters oder Reiseleitung) die bestehenden Mängel angezeigt und ihr bzw. ihm eine angemessene Frist zur Mängelbeseitigung gesetzt haben.
  • Lassen Sie sich die erfolgte Mängelanzeige schriftlich bestätigen oder – falls die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Reiseveranstalterin / des Reiseveranstalters dazu nicht bereit sind, durch Mitreisende bezeugen.

Welche Fristen müssen Sie beachten?

Ihre Gewährleistungsansprüche verjähren zwei Jahre nach dem vertraglich vereinbarten Ende der Reise.

  • Klagen Sie innerhalb von zwei Jahren nach dem vertraglich vereinbarten Ende der Reise Ihre Ansprüche vor Gericht ein, wenn die Reiseveranstalterin / der Reiseveranstalter die geltend gemachten Ansprüche nicht anerkennt.
  • Die Frist kann sich um die Zeit verlängern, die zwischen der Geltendmachung des Reisemangels und der endgültigen schriftlichen Zurückweisung des Reisemangels durch die Reiseveranstalterin / den Reisveranstalter vergangen ist, sofern in dieser Zeit über den Reisemangel und die damit verbunden Ansprüche verhandelt wurde.

Freigabevermerk

Sächsisches Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung. 05.11.2021